Die Überfallgefahr wächst!
Mit unseren Tipps können Sie sich schützen und wehren!
Jahr für Jahr fallen Hunderttausende brutalen Überfällen und Vergewaltigungen zum Opfer. Sicherheitsberater Siegfried Prohart (SIPRO Sicherheit Bünde) verrät Ihnen die besten Möglichkeiten zur erfolgreichen Selbstverteidigung und sagt, wie Sie sich erfolgreich schützen.
Frage: Herr Prohart, wie soll man sich verhalten, um die Gefahr eines Überfalls zu minimieren oder sogar ganz auszuschließen?
Siegfried Prohart: Ganz ausschließen kann man die Gefahr sicherlich nicht, aber es gibt einige Verhaltensregeln, die man beherzigen sollte. Dann wird die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Überfalls zu werden, deutlich geringer. Und dabei besteht die Gefahr nicht nur draußen in der Öffentlichkeit sondern auch in der eigenen Wohnung oder sogar im Auto.
Frage: Beginnen wir einmal mit einer alltäglichen Situation vor der viele, vor allem im Dunkeln, Angst haben: dem Heimweg.
Siegfried Prohart: Der einfachste Rat ist: Nehmen Sie immer die Strecke, die Ihnen am sichersten erscheint. Vermeiden Sie dabei nach Möglichkeit menschenleere Parks, Wälder, aber auch Friedhöfe oder einsame Feldwege. Treten Sie selbstbewusst auf und zeigen Sie dies durch aufrechte Körperhaltung und festen Schritt. Setzen Sie sich im Vorfeld gedanklich mit der Situation auseinander und beantworten Sie sich selbst, für den Notfall, die Frage: "Wie verhalte ich mich, wenn mich eine fremde oder verdächtige Person anspricht?" Lassen Sie sich möglichst gar nicht erst auf der Straße ansprechen, wenn Sie allein im Dunkeln unterwegs sind. Falls Sie mit dem Taxi nach Hause fahren, bitten Sie den Fahrer, so lange zu warten, bis Sie im Haus sind und das Licht angeschaltet haben. Falls Ihnen eine Situation wirklich gefährlich erscheint, zögern Sie nicht: Laufen Sie weg und rufen Sie laut um Hilfe!
Frage: Wie verhält man sich am sichersten in öffentlichen Verkehrsmitteln?
Siegfried Prohart: Informieren Sie sich vorher über die genauen Abfahrtszeiten, um die Wartezeit an der Haltestelle möglichst kurz zu halten. Wenn Sie doch etwas länger warten müssen, tun Sie dies immer mit dem Rücken zu einer Wand. In Bus oder Bahn immer in die Nähe des Fahrers oder ins vorderste Abteil setzen! Halten Sie nach Möglichkeit passendes Kleingeld für die Fahrkarte parat, damit niemand unkontrolliert in Ihr Portemonnaie sehen kann. Falls jemand mit Ihnen an der Haltestelle wartet, suchen Sie selbstbewusst den Augenkontakt. Damit demonstrieren Sie einem potentiellen Angreifer psychische Stärke. Doch das wichtigste ist: Vertrauen Sie auf Ihr Gefühl! Beobachten Sie aufmerksam Ihre Umgebung, ob Ihnen etwas seltsam oder verdächtig vorkommt. Merken Sie sich Stellen, an denen Sie im Notfall Hilfe erwarten können, z.B. Restaurants, einen Taxistand oder, falls Sie kein Handy haben, eine Telefonzelle. Der sicherste Ort ist immer in der Nähe vieler anderer Personen.
Frage: Und die Sicherheit im eigenen Auto?
Siegfried Prohart: Hier gibt es auch einige Möglichkeiten, die Gefahr zu verringern. Das wichtigste: Fahren Sie nachts immer mit verriegelten Türen und parken Sie stets an gut beleuchteten Straßen und Parkplätzen. Falls das Auto neben Ihnen sehr dicht geparkt ist, steigen Sie durch die Beifahrertür ein. Bei einer Panne im Dunkeln verlassen Sie möglichst nicht den Wagen, sondern versuchen Sie, per Handy, Hilfe zu rufen. Wenn jemand anhält, bitten Sie ihn durchs Fenster, den Pannenservice zu informieren. Denken Sie daran: Im Auto ist es immer am sichersten!
Frage: Wie kann man sich in der eigenen Wohnung schützen?
Siegfried Prohart: Am besten lassen Sie Ihre Anschrift nicht vollständig ins Telefonbuch eintragen. Falls Sie als Frau allein wohnen, sollte auf Ihrem Türschild nur Ihr Nachname stehen. Wenn es klingelt, öffnen Sie möglichst nicht einfach die Tür, sondern verwenden Sie Ihren Türspion, die Gegensprechanlage oder sehen Sie zunächst aus dem Fenster.
Frage: Kommen wir mal zu den technischen Hilfsmitteln, um sich unliebsame Personen vom Leib zu halten. Welche Geräte oder Möglichkeiten kann bzw. darf man nutzen und von welchen sollte man besser die Finger lassen?
Siegfried Prohart: Zunächst ist es wichtig, darauf zu achten, welche Mittel überhaupt gesetzlich zugelassen sind. Ab 1. April 2003 fallen z.B. Pfeffersprays und Gaspistolen unter das Waffengesetz und müssen daher angemeldet werden. Aber der Reihe nach: Die beste Verteidigungsmöglichkeit gegen Angreifer, wenn man sie nicht verbal stoppen kann, ist immer noch die erlernte Selbstverteidigung. In Kursen, die von Volkshochschulen, Fitness-Studios oder Kampfsportschulen angeboten werden, kann man die wichtigsten Techniken der Selbstverteidigung erlernen und einüben. Außerdem wird dabei auch das selbstbewusste Auftreten (s.o.) trainiert. Man bekommt eine größere Selbstsicherheit, da man weiß, wie man erfolgreich reagieren und sich schützen kann. Allerdings muss man sowohl die Techniken wie die psychologische Vorbereitung regelmäßig trainieren. Wer sich dies nicht zutraut oder nicht die nötigen körperlichen Voraussetzungen mitbringt, hat die Wahl zwischen mehreren Geräten, um Angreifer abzuwehren oder außer Gefecht zu setzen.
1. Elektro-Schocker: Zum Besitz solcher Geräte (gibt es entweder als Stock oder als kleines Gerät mit unterschiedlichen Volt-Stärken, Preis ab ca. 50 Euro) muss man volljährig sein. Die Schocker sind meist so klein, dass sie bequem in die Jackentasche passen. Um wirkungsvoll zu sein, muss das Gerät allerdings direkt mit dem Körper des Angreifers in Berührung kommen. Durch diese Nähe ist die Gefahr recht groß, selbst überwältigt zu werden.
2. Pfefferspray: Dieses Mittel ist sehr preisgünstig (ab ca. 6 Euro in verschiedenen Größen erhältlich), muss aber ab 1. April 2003 als Waffe gemeldet sein und ist eigentlich nur zur Abwehr von Tieren zugelassen. Auch sein größter Pluspunkt ist die geringe Größe, die ein problemloses Mitführen ermöglicht. Allerdings besteht in einer hektischen Gefahrensituation das Risiko, dass man das Spray versehentlich gegen sich selbst oder gegen den Wind sprüht und dadurch die Wirkung selbst abbekommt. Eine gewisse Übung im Umgang mit dem Spray und eine psychische Vorbereitung auf Gefahrensituationen sind daher unbedingt notwendig.
3. CS-Reizgas: Achten Sie darauf, nur zugelassene Mittel zu erwerben, die man durch ein rautenförmiges BKA-Zeichen erkennen kann. Auch Reizgasdosen sind recht preiswert (ab ca. 8 Euro in verschiedenen Größen erhältlich), einige Sprühgeräte (z.B. RDG 1 und 2) dürfen jedoch nur an Inhaber von Waffenscheinen verkauft werden. Auch die CS-Dosen sind klein und handlich und bei richtiger Anwendung sehr schnell und wirkungsvoll. Allerdings muss auch hier die Sprührichtung stimmen und Sie benötigen eine gewisse Übung im Umgang mit der Dose. Außerdem wirkt das Reizgas bei Tieren und alkoholisierten oder unter Drogen stehenden Angreifern nur eingeschränkt.
4. Schlagstock: Schlagstöcke gibt es in einfacher Version (z.B. als Baseballschläger, ab ca. 15 Euro), als ausziehbare Schlagstöcke (Kauf erst ab 18 Jahren möglich) oder sogar in Kombination mit CS-Reizgas (ca. 50 Euro). Trotz der Größe und damit verbundenen schwierigeren Handhabung steigert ein solcher Knüppel das eigene Sicherheitsempfinden, vor allem zuhause oder im Auto. Allerdings sind eine gewisse Kraft, Körpergröße und Geschicklichkeit im Umgang mit dem Stock Grundbedingungen für einen erfolgreichen Einsatz. Ist der Angreifer stärker oder geschickter, schlägt er Ihnen den Stock leicht aus der Hand und setzt ihn gegen Sie ein.
Messer und Gaspistolen sollten Sie auf gar keinen Fall verwenden. Ein Messer kann immer eine tödliche Waffe sein und die Gefahr ist groß, dass der Angreifer Ihnen das Messer entreißt und es gegen Sie richtet. Außerdem gelten einige Messer als Waffen und bestimmte Springmesser (ab 8,5 cm Klingenlänge und/oder beidseitig geschliffen) sind sogar komplett verboten.
Auch Gaspistolen stellen keine sichere Alternative dar. Eine solche Waffe (ab 1. April 2003 ist zur Führung einer Gaspistole ein sog. "kleiner Waffenschein" vorgeschrieben) hat zwar meist eine abschreckende Wirkung, kann die Situation aber auch vollkommen eskalieren lassen. Außerdem besteht die Gefahr schwerer Augenverletzungen bei falscher Handhabung. Somit ist dieses Selbstverteidigungsmittel allenfalls für geübte Sportschützen empfehlenswert.
Frage: Was sollte man tun, wenn man trotz aller Sicherheitsmaßnahmen einmal Opfer eines Überfalls geworden ist?
Siegfried Prohart: Der erste Weg führt natürlich immer zur Polizei. Wir als Sicherheitsfirma können Sie zwar in allen Fragen der Sicherheit beraten und schützen, aber wir arbeiten immer auch eng mit der Polizei vor Ort zusammen. Nur eine schnelle Benachrichtigung der Polizei gewährleistet eine erfolgreiche Sicherung aller Spuren auf der Suche nach dem Täter.
Außerdem können Sie mit der Opferhilfe-Vereinigung "Weißer Ring" Kontakt aufnehmen. Ein Info-Telefon bietet rund um die Uhr Opfern unter 01803 - 34 34 34 psychische und juristische Hilfe und Beratung durch Fachleute an. Natürlich ist der "Weiße Ring" auch im Internet unter www.weisser-ring.de präsent.
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